BODY & SOAP Seifenmanufaktur

Manufaktur für handgemachte Seifen und Badekosmetik seit 2003

Geschichte der Seife

Erste Waschhilfsmittel

Als „erstes Waschmittel“ kann sicherlich das Wasser selbst angesehen werden, das durch Erhitzen in seiner Reinigungswirkung noch verbessert werden konnte.
Wann der Mensch zum ersten Mal Waschhilfsmittel verwendet hat, lässt sich nicht genau datieren. Das erste überlieferte Seifenrezept stammt aus der Zeit um 2500 v. Chr. Dieses fand man in Tello, einer kleinen Stadt in Mesopotamien. Auf einer sumerischen Tonschiefertafel waren folgende Portionsangaben für die Seifenherstellung in Keilschrift eingeritzt: 1 Liter ÖI und die fünfeinhalbfache Portion Pottasche.

Als Pottasche bezeichnete man die Asche einer Pflanze, die reich an kohlensaurem Kalium war. Beispielsweise gewann man sie damals aus verbrannten Dattelpalmen und Tannenzapfen. Als eigentlich waschwirksame Substanz bildet sich unter anderem Kaliumcarbonat. Das Alkali unterstützte durch Quellen der cellulosischen Fasern unter Abheben des Schmutzes den Waschprozess ganz gut. Die Befunde über die Sumerer sind bedeutungsvoll, da hier einerseits zum ersten Mal von einer gezielt vom Menschen durchgeführten chemischen Reaktion berichtet wird und andererseits der erste Hinweis für den Gebrauch der Seife als Reinigungsmittel für Textilien erbracht wird. Allerdings wurden die Seifen bei den Sumerern auch für medizinische Zwecke gebraucht.

Seife im Alten Ägypten
Ägyptische Wandbilder zeigen, wie Sklaven die Wäsche mit Keulen schlagen, um sie zu reinigen. Als waschwirksam erkannten die alten Ägypter zusätzlich die Soda.
Sie fanden es in der Wüste als Mineral, z.B. in ausgetrockneten Salzseen oder als Bodenkruste. Soda entsteht aber auch durch Verbrennen von kochsalzhaltigen also natriumchloridhaltigen Meerespflanzen, wodurch wir wieder bei der Asche angelangt wären. Häufig bildete sich bei der Verbrennung von Pflanzen auch eine Mischung mit Pottasche.
Sogar die Seife war seinerzeit schon bekannt. In ägyptischen Dokumenten wird berichtet, dass um 600 v. Chr. tierische Fette oder pflanzliche Öle mit Soda vermischt und gekocht wurden.
Die eigentliche Waschkraft der Seifen wurde aber erst später richtig erkannt. Zunächst wurde diese Seife als Haarpomade bzw. Medizin zur Behandlung von Hautkrankheiten benutzt. Viele der damaligen Hautkrankheiten entstanden eigentlich durch Mangel an Körperpflege und diese Seifen wirkten durch die Reinigungswirkung wie eine Art Medizin.

Seife bei Griechen und Römern
Erst nach dem Beginn unserer Zeitrechnung finden sich wieder Hinweise auf die Herstellung und Verwendung von Seifen. Plinius der Ältere (23 - 70 n.Chr. ) berichtet in seiner "Historia naturalis", dass die Gallier und Germanen Seifen als Haarpomade benutzt hätten, die sie aus Ziegentalg und weiß gebrannter Asche herstellten.
Während die Seife der Germanen eine "Kaliseife“ von mehr pastenartiger Konsistenz war, benutzten die Gallier die Asche von natriumhaltigem Seetang und erzielten dadurch eine festere "Natronseife“. Diese Seifen wurden begehrte Handelsartikel der Römer, die
sie vorwiegend zu kosmetischen Zwecken benutzten.
Die Römer und die Griechen reinigten jahrhundertlang ihre Wäsche mit Aschenlauge und salbten ihren Körper mit ÖI. Auf die Idee, ÖI und Asche zu vermischen und zu verkochen, kamen sie aber nicht. Die Römer aber kannten eine zweite Quelle, um zu dem begehrten Alkali zu kommen.

Sie verwendeten nicht nur das Alkali aus der Holzasche (Kaliumcarbonat), sondern auch verfaulten zersetzten Urin, der alkalischen Ammoniak entwickelte, um ihre Kleidungs-stücke darin zu reinigen. Man gab die Bekleidung häufig den Wäschern, die eigentlich Urinspezialisten waren. Das Verfahren machte die Wäscher reich. Als Kaiser Vespasian (Titus Flavius Vespasian 39 - 83 n.Chr.) von den Wäschern hohe Steuern eintreiben wollte, gab es Proteste - wie immer in solchen Fällen. Erstaunlicherweise kamen diese Proteste auch aus dem kaiserlichen Hofrat. Daraufhin formulierte der Kaiser erstmals den Spruch:
"Pecunia non olet." Übersetzt heißt das: Geld stinkt nicht.
Erst der in Rom lebende griechische Arzt Galenus weist im 2. Jh. auf die reinigende Wirkung der Seife hin; eine Tatsache, die seit der Zeit der Sumerer völlig in Vergessenheit geraten war.

Als ausgesprochenes Reinigungsmittel konnte sich jedoch die Seife im alten Rom nicht durchsetzen. Die frühe Seifenherstellung muss auf erhebliche Schwierigkeiten gestoßen sein und nur zu einer unvollständigen Verseifung geführt haben. Die erforderliche Hydrolyse der Fette zur Freisetzung der Fettsäuren setzte starke Alkalien voraus oder musste durch langwieriges Kochen erzielt werden. Es standen zunächst nur kaliumhaltige und zudem nur schwach alkalisch reagierende Salze zur Verfügung. Die Entdeckung der Soda für die Seifenherstellung führte zu festeren Seifen. Noch heute dient Soda im Carbonatverfahren zur Gewinnung von Seife. Bis die Herstellung der kaustischen Soda bekannt war, konnte man praktisch nur die durch das Ranzigwerden der tierischen und pflanzlichen Öle freigesetzten Fettsäuren mit Alkalicarbonat zu Seife umsetzen. Durch Kochen in Kesseln auf offenen Feuern konnte man den Prozess der Hydrolyse des Fettes etwas beschleunigen. Es wurde bis fast zur Trockene eingekocht, immer wieder Wasser zugesetzt und so allmählich die Seifenproduktion eingeleitet.

Seife im Mittelalter bis zum 18. Jahrhundert
Als besonders geschickt im Seifenkochen erwiesen sich die Araber des 7. und 8. Jahrhunderts, direkt nach der Zeit, als Mohammed den Islam gründete. Mit Ausbreitung dieser Religion kam die Kunst des Seifensiedens über Spanien nach Europa.

Die Araber stellen durch "Kaustifizieren" (= Alkalisch machen) von Soda oder Pottasche mit Ätzkalk [Calciumhydroxid] die ersten festen Kaliseifen her.
Im frühen Mittelalter entwickelten sich im Mittelmeerraum Zentren eines blühenden Seifensiederhandwerks.

Vor allem Spanien, Italien und später Frankreich besaßen die erforderlichen Rohstoffe. Oliven dienten als Öllieferant, die Aschen von Meerespflanzen enthielten Soda.
Durch den Zusatz von Duftstoffen, die aus verschiedenen Pflanzen gewonnen wurden, verfeinerte man in Frankreich die Seifen. Damit war die Toilettenseife geboren, die als kosmetische Seifenkugeln an Europas Höfen hochgeschätzt, für die Masse der Bevölkerung aber unerreichbare Kostbarkeiten waren.
Diese Seifen dienten allerdings nicht der persönlichen Hygiene und der Reinigung von Wäsche oder Fußböden. Sie wurden für kosmetische Zwecke oder als Heilmittel verwendet und ab 1525 zur Rasur der Männer.
Seife - insbesondere die Kernseife - war ein absoluter Luxusgegenstand, den konnten sich nur betuchte Häupter leisten.
Noch im 18. Jahrhundert standen Talg und Holzasche in ausreichendem Maße zur Verfügung. Zudem war der Wunsch, sich und seine Kleidung regelmäßig zu waschen, noch nicht sehr stark ausgeprägt.

Seife im 19. Jahrhundert
Mit der Industrialisierung und dem damit einher gehenden Aufschwung der Textilindustrie setzte zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine größere Nachfrage nach Seife ein. Waschen wurde modern. Zunächst kamen deshalb die Seifensiedereien mit der Produktion nicht mehr nach; die Rohstoffe Talg und Holzasche wurden knapp. Erst durch die Einfuhr billiger Fettrohstoffe aus tropischen Ländern, die chemische Untersuchung der Fette durch Chevreul und die Erfindung des preisgünstigen Verfahrens zur Herstellung von Soda, die bisher nur aus Pflanzenasche gewonnen werden konnte, durch Nicolas Leblanc (1742-1806) (Leblanc- später Solvay-Verfahren) kam es wieder zu einer ausreichenden Rohstoff-versorgung.
Damit war der Weg frei zur industriellen Massenproduktion von Seife, vorerst alleiniges Wasch- und Reinigungsmittel.

Die ständig wachsende Nachfrage nach Glycerin und die damit verbundene Fettspaltung wurden für die Seifen- und Waschmittelproduktion von entscheidender Bedeutung. Kontinuierlich arbeitende Kesselverseifungsverfahren lösten die alten Verfahren ab und moderne Methoden der Kühlung und Trocknung verkürzten die Produktionszeiten enorm.
In den meisten Haushalten wurde für den Eigenbedarf Schmierseife selbst hergestellt. Rohstoffe waren Pottasche und Rüböl, Hanföl, Leinöl, Tran und Talg. Neben Kernseife blieb Schmierseife bis in das 20. Jh. das wichtigste Wäschewaschmittel.
Etwa bis zur Jahrhundertwende wurde die Wäsche ähnlich wie bei den Sumerern noch mit Holzasche gewaschen. Man füllte sie in Leinensäckchen ab, legte sie in den Waschbottich, packte die trockene Wäsche hinein und goss von oben heißes Wasser drauf. Wurde das Wasser zu kalt, dann zapfte man es unten teilweise wieder ab und erhitzte die Lauge erneut. Der Begriff "Lauge" stammt von diesem Auslaugen der Holzasche. Vielfach wurde die Kleinwäsche im großen Topf auf dem Herd gekocht.
Zum Waschen war weiches Wasser (z. B. Regenwasser) günstig. Hartes Wasser bedeutete einen höheren Seifenverbrauch. Die Wäsche wurde mechanisch gereinigt: z. B. auf Steine geschlagen, gerieben oder in einem Bottich gestampft. Dadurch löste sich der Schmutz leichter von den Fasern. Später wurde das Schlagen und Stampfen der Wäsche durch die Arbeit am Waschbrett ersetzt .
Erst durch die Entwicklung der Waschmaschinen und der modernen Waschmittel wurde das Waschen wesentlich erleichtert.
1907 war das erste Vollwaschmittel auf den Markt gekommen. Es enthielt neben Seifenpulver Natriumperborat als Bleichmittel und Natriumsilicat als Stabilisator = PERSIL.


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